Das Geheimnis natürlich schöner Haare

Hingebungsvolles Bürsten & Haarewaschen ohne Shampoo

Juckende, trockene Kopfhaut? Schuppen? Alle zwei Tage schon wieder fettige oder kraftlose Haare? Nie wieder!

Ich hatte genug von handelsüblichen Shampoos aus Plastikflaschen und machte mich auf die Suche nach Alternativen: einerseits, weil ich die Chemie darin nicht mehr auf meiner Kopfhaut haben wollte, andererseits, um Müll zu vermeiden.

Auch Naturkosmetik steckt leider meist in Plastikflaschen, doch ich fand im Bioladen eine verpackungsfreie Alternative: Bio-Haarseife, die wie Handseife aussieht. Obwohl ich verschiedene Varianten durchprobierte für trockene Kopfhaut, für leicht fettendes Haar … die Kopfhaut juckte weiterhin.

Also wagte ich einen Versuch mit einem noch natürlicheren Haarwaschmittel: Lava- bzw. Heilerde. Auch wenn es recht lustig war und ich unter der Dusche einen Lachanfall bekam, als ich mir den Matsch ins Haar schmierte und mir dabei wie früher im Sandkasten vorkam, blieb es bei dem einen Versuch. Denn mein Haar fühlte sich danach klebrig und filzig an. Keine Ahnung, was ich falsch gemacht habe. Vielleicht war das die Antwort darauf, dass ich nicht mitbedacht hatte, dass die Flugreise der Lavaerde von der anderen Seite des Globus bis zu mir nicht besonders umweltfreundlich und nachhaltig ist.

Ich beklagte mich bei dem ein oder anderen Menschen über mein Scheitern und erfuhr so von der No-Poo-Methode. Neugierig geworden, ob Haarewaschen nur mit Wasser wirklich möglich ist, las ich ein paar Erfahrungsberichte auf Blogs, die immer wieder die Wichtigkeit des richtigen Bürstens betonten. Bevor ich also mit No-Poo begann, schaffte ich mir erst einmal eine qualitative Naturborstenbürste an und verwöhnte Haar und Kopfhaut damit über einen Monat lang jeden Morgen. Denn:

Das A&O für Haar und Kopfhaut: Bürsten!

Wozu benutzen wir eigentlich Shampoos? Für eine gesunde Kopfhaut und glänzendes, geschmeidiges Haar brauchen wir weder Chemie noch Pflanzenextrakte. Bürsten kann das viel besser, natürlicher, nachhaltiger (müll- und chemiefrei!) und hat sich schon seit Hunderten von Jahren bewährt:

Am sinnvollsten ist das Bürsten am Morgen, um die Kopfhaut von den Salzen, die sich dort über Nacht gebildet haben, zu reinigen. Die Kopfhaut ist nämlich eines der wichtigsten „Mülllager“ unseres Körpers, über die er entgiftet (auch eine gesunde Ernährung ist also wichtig für schönes Haar). Außerdem wird beim Bürsten der Säureschutzmantel (bestehend aus Talg und Schweiß) von der Kopfhaut über das ganze Haar bis in die Spitzen verteilt. (Wie du wohl selbst schon beobachtet hast, hat man oben ja eher „fettiges“ Haar und unten oft eher trockene Spitzen.) So pflegt und glättet das Bürsten die Haare und hält sie natürlich geschmeidig. Ergebnis: eine gut durchblutete, gesunde Kopfhaut und glänzendes, geschmeidiges Haar.

Welche Bürste ist dafür geeignet?

Nur eine qualitative Naturborstenbürste (Wildschweinborstenbürste oder (vegane) Sisalbürste) kann den Säureschutzmantel optimal verteilen, da sie beim Bürsten wirklich jedes Haar erfasst. Die weiter entfernt stehenden Borsten einer normalen Bürste (auch „Massagebürste“ genannt) kämmen nämlich nur strähnchenweise.

Die hier vorgestellte Art des Bürstens ist für alle Haartypen außer für Korkenzieherlocken und Afro-Haare, die eine spezielle Art der Pflege benötigen, geeignet .

Eine qualitative Naturborstenbürste aus heimischem Holz hat zwar ihren Preis, hält jedoch ein Leben lang.

Es gibt Naturborstenbürsten auch als Mix: sowohl mit Wildschweinborsten als auch mit Plastik- oder Holznoppen. Dieser Mix ist nach verschiedenen Erfahrungsberichten, die ich gelesen und mir erzählen lassen habe, wohl die angenehmste Variante („Anti-Zipp-Bürste“), v.a. wenn man tendentiell dickes, dichtes oder/und lockiges Haar hat.

Bürstenpflege: Nach jedem Bürsten sind Haare und Talg aus den Borsten zu entfernen, z.B. mit einem Bürstenreiniger. In regelmäßigen Abständen sind die Borsten außerdem mit Wasser (und ggf. Shampoo) zu waschen, um sie von Talgresten zu befreien, und das Holz zupflegen, z. B. mit ein wenig Bürstenwachs oder Öl.

100 Bürstenstriche täglich

Es gibt verschiedene Empfehlungen, wie die 100 Bürstenstriche genau verteilt werden sollten. Am besten ausprobieren, wie du alles gut erreichst. Auf jeden Fall gilt: ca. 10 Bürstenstriche pro Bahn. Die Bürste wird immer am Haaransatz auf der Kopfhaut angesetzt, mit sanftem Druck über die Kopfhaut gestrichen und bis in die Spitzen durchgezogen, damit sich der Schutzfilm überall optimal verteilt. Außerdem streicht man nach jedem Bürstenstrich mit der Hand der Bürste hinterher. So vermeidet man durch die Wärme der Handflächen eine statische Aufladung und damit elektrisiertes, herumfliegendes Haar.

Ich bürste so:

1.      kopfüber (alles am Hinterkopf) je 10 Bürstenstriche in 3-4 Bahnen: 1-2 am Hinterkopf (s. 1. Bild oben Mitte) + 1 je rechts und links seitlich am Hinterkopf (ab dem Ohr zur Kopfmitte; s. 1. Bild rechts und links)

2.      wieder normal dastehend je 10 Bürstenstriche in 3-4 Bahnen: von vorn nach hinten je 10 Bürstenstriche rechts und links seitlich am Kopf und 1-2 oben auf dem Scheitel (s. 2. Bild oben)

3.      die restlichen Bürstenstriche von der Kopfmitte nach unten (s. 2. Bild unten)

 

Manchmal mache ich auch nur 1. und 3. oder nur 3., dann aber 3. sehr ausgiebig (in 6 Bahnen).

 

TIPP: Wenn ich morgens einen wichtigen Termin habe (z.B. Fotoshooting), bei dem die Haare top aussehen sollen, wasche ich sie entweder an diesem Morgen oder bürste sie frühzeitig am Morgen, damit der Schutzfilm bis zum Termin nicht mehr sichtbar ist, oder ich bürste an dem Tag lieber abends ausgiebig. Denn: Direkt nach dem ausgiebigen Bürsten sieht das Haar manchmal leicht „fettig“ (logisch, da man ja soeben den Säureschutzmantel über das ganze Haar verteilt hat) und glatt bis platt gebürstet aus. Wenn man sich gerade das Gesicht eingecremt hat, glänzt es schließlich auch kurzzeitig „fettig“. Ebenso wie die Hautcreme zieht auch der Säureschutzmantel ein. Und wenn ich mein Haar gerade nicht glatt mag, gehe ich es im Anschluss mit einer Massagebürste oder einem groben Kamm leicht durch und lockere es auf.

 

ACHTUNG: Nur trockene Haare bürsten! Nasse Haare sind empfindlicher und elastischer, daher reißen sie leicht. Nasse Haare sind höchstens mit einem groben Kamm oder den Fingern zu entwirren. Daher: Haare VOR dem Waschen ausgiebig bürsten. Nach dem Waschen das Wasser mit den Händen aus den Haaren drücken bzw. wringen, dann mit dem Handtuch nur die Kopfhaut sanft massieren (grundsätzlich nicht durchrubbeln und schon gar nicht die Spitzen!) und die Haarlängen leicht ausdrücken.

 

Meine Erfahrung mit dem Bürsten

Mein dichtes, dickes und lockiges Haar ist seinem Naturell nach etwas widerspenstig, sodass es beim Bürsten immer einige Zeit in Anspruch nimmt. Weil ich es beim Kauf noch nicht besser wusste, habe ich mir damals eine reine Wildschweinborsten-bürste (von CULUMNATURA) zugelegt. Ihr schön gearbeiteter Holzgriff fühlt sich toll an und ihre dichten Naturborsten sind eine herrliche Massage für meine Kopfhaut und auch ideal, um wirklich jedes Haar zu erreichen. Doch ich muss meine widerspenstigen Haare meist erst einmal mit einer normalen Bürste (Holzstifte) und den Fingern entwirren, sonst ist mit den Naturborsten überhaupt kein Durchkommen möglich.

Mittlerweile habe ich da meine Routine gefunden: Erst die Spitzen mit der Massagebürste entwirren, dann das Haar von oben bis unten damit durchkämen (und dabei immer mit den Fingern noch mal durch, um Knoten in den Spitzen zu lösen) und schließlich alles Bahn für Bahn (angefangen kopfüber) mit den Naturborsten bürsten wie oben beschrieben. Damit das Haar zum Schluss nicht glatt runterhängt, käme ich zuletzt mit der Massagebürste noch einmal kurz oben über den Scheitel, um es wieder aufzulockern und voilà: Ab in den Tag!

Anfangs hat mich der ungewohnte Zeitaufwand genervt – schließlich habe ich Jahre lang nur Kurzhaarfrisuren getragen und oft nicht mal gekämmt. Doch lasse ich das ausgiebige Bürsten mal ausfallen, rächt sich das gleich mit schneller fettendem Haar. Fazit: Bei mir ist ausgiebiges Bürsten mindestens jeden zweiten Tag notwendig, jeden Tag optimal und bei zwei Mal am Tag fühlen sich Kopfhaut und Haar wie im Himmel.

Inzwischen bürste ich morgens fast immer ausgiebig und abends meist nur kurz mit der Massagebürste, um die Haare zu entwirren. Richtig lockig ist mein Haar grundsätzlich nur direkt nach dem Waschen (bestes Ergebnis, wenn ich es an der Luft trocknen gelassen habe), dann kämme ich es erst abends vor dem Schlafengehen. Die ersten beiden Tage nach dem Waschen habe ich auch bei intensivem Bürsten schöne Wellen und eine Mähne. Weitere Tage danach wird es immer glatter und weniger voluminös, sodass ich es dann am liebsten in irgendeiner Zopfform trage (wobei ich generell oft einen Pferdeschwanz mache).

Die Morgenroutine sehe ich mittlerweile als Gute-Morgen-Massage und da ich mich nie schminke oder anderweitig style, verbringe ich garantiert auch weniger Zeit im Bad als andere Menschen. Besonders wohltuend ist das ausgiebige Bürsten übrigens draußen auf dem Balkon, während mir die Morgensonne ins Gesicht scheint.

 

Durch das tägliche Bürsten hat sich mein Haar angenehm verändert. Es fühlt sich kraftvoller und leichter an. Nach über einem Monat wagte ich dann erstmals, jegliches Shampoo wegzulassen:

 

No-Poo: Haarewaschen nur mit Wasser?!

Es heißt, dass die Talgproduktion durch die Shampoonutzung nicht mehr ausgeglichen ist und die Kopfhaut das erst wieder „lernen“ muss. Deshalb kann es sein, dass sie auf das Waschen rein mit Wasser erst einmal mit Juckreiz, übermäßiger Talgproduktion, fettigem Ansatz und/ oder trockenen Spitzen reagiert. Wie lange es dauert, bis das Gleichgewicht wiederhergestellt ist und was genau vorkommt, ist individuell verschieden. Bei manchen dauert die Umgewöhnungsphase 4-6 Wochen. Ich hatte das alles gar nicht – ich vermute, weil ich zuerst mit dem ausgiebigen Bürsten angefangen und lange schon nur noch sehr natürliche Shampoos benutzt habe.

Zu Beginn war es ein seltsames Gefühl, meine Haare nur noch alle sieben Tage zu waschen und dann auch nur noch mit Wasser. Ich stellte mich unter die Dusche und massierte meine Kopfhaut mit den Fingerspitzen, während ich Wasser darüber laufen ließ. Dann wrang ich meine Haare aus, massierte die Kopfhaut sanft mit einem Handtuch (das nimmt zusätzlich Talg fort) und schon waren meine Haare fertig gewaschen.

Je nachdem, wo ich mich in meinem Zyklus befinde oder ob ich mehr Locken haben will, wasche ich die Haare öfter oder seltener: höchstens alle drei Tage und mindestens alle acht. Ich habe immer wieder Freund*innen und Arbeitskolleg*innen gefragt, wie sie mein Haar finden und sie konnten es kaum glauben, dass ich nur mit Wasser wasche und auch noch so selten.

 

Mit der Zeit begann es sich anders anzufühlen: Mein früheres Kopfhautjucken hat sich schon mit dem Bürsten verabschiedet und mein Haar fühlt sich gar nicht mehr fettig an, nur manchmal leicht wächsern – ich vermute, das ist der Säureschutzmantel. Zu Beginn war es ungewohnt, aber mittlerweile mag ich es, wie mein Haar sich natürlich anfühlt und dass es nur nach mir riecht. Auch mein Freund und andere Menschen, die mit mir in Kuschel- und/ oder Tanzkontakt sind, mögen es.

 

Da mich das Bürsten anfangs sehr genervt hat, suchte ich auch nach einer natürlichen Spülung, die das Bürsten erleichtern sollte und stieß auf:

 

Apfelessig für weiches, kämmbares Haar

Für mein braunes Haar verwende ich naturtrüben Bio-Apfelessig, selbstverständlich verdünnt (sonst rümpfen die Menschen um einen herum über den strengen Essiggeruch die Nase): 1 EL in eine Tasse lauwarmes Wasser. Beim ersten Mal hielt ich es für nebensächlich, lauwarmes Wasser zu verwenden. Aber als ich mir dann die kalte Spülung über den Kopf geschüttet habe … Seitdem nehme ich lauwarmes Wasser.

Bei hellem bzw. blondem Haar ist eine Zitronenspülung besser: ein Spritzer Zitrone in eine Tasse lauwarmes Wasser.

1 Liter Wasser Saft einer Zitrone

Quelle: https://www.smarticular.net/natuerliche-haarspuelungen-selber-machen-und-anwenden/
Copyright © smarticular.net
1 Liter Wasser Saft einer Zitrone

Quelle: https://www.smarticular.net/natuerliche-haarspuelungen-selber-machen-und-anwenden/
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Wie eine normale Spülung anzuwenden: Haare nassmachen, auswringen, Spülung über den Kopf gießen und mind. 2 Minuten einwirken lassen. Je länger ich sie einwirken lasse, umso samtiger fühlt sich mein Haar danach an. Der Apfelessiggeruch verfliegt nach dem Waschen völlig (spätestens, wenn die Haare trocken sind).

Bei manchen Menschen hat Apfelessig eine austrocknende Wirkung auf die Kopfhaut. In diesem Fall: Kopf nach vorn beugen und nur die Haarlängen und nicht die Kopfhaut übergießen.

Roggenshampoo – Mehlpampe ins Haar?!

In einem Gespräch mit einem guten Freund erfuhr ich, dass er Roggenmehl als natürliches, regionales „Shampoo“ zum Haarewaschen benutzt. Ich war neugierig: Wie von ihm beschrieben rührte ich 2 EL Roggenweißmehl (lässt sich leichter ausspülen als Roggenvollkornmehl) mit lauwarmem Wasser an, bis es flüssig-breiig war und ließ es über Nacht stehen. (Ich hab es auch schon mal sofort benutzt, als es mal schnell gehen musste, aber wenn es mindestens zwei Stunden ziehen konnte, ist die Wirkung besser.) Dann nachmittags unter der Dusche: Echt die Mehlpampe ins Haar?

 

Es wurde wieder so lustig wie schon mit dem Lavaerde-Matsch. Nach dem Verteilen, Einmassieren und ca. 5 Minuten Einwirken Lassen ließ sich die Pampe auch erstaunlich leicht ausspülen. Ergebnis: mein Haar fühlte sich fluffig und seidigweich an.

 

Roggenshampoo lässt sich übrigens auch mit Apfelessig- bzw. Zitronenspülung kombinieren: Nach dem Ausspülen des Shampoos das Haar leicht ausdrücken und dann die Spülung drauf.

Duftendes Shampoo selber machen

Ich persönlich liebe den natürlichen, individuellen Duft eines Menschens, also ganz ohne Parfum, Deo, Duschgel, Hautcreme, Make-up und was noch so benutzt wird. Wer sich jedoch einen anderen Duft wünscht und dabei trotzdem auf Plastikflasche und künstliche Aromen verzichten möchte, kann es ja mal mit Lisas Rezept für ein D.I.Y. Apfel-Rosmarin-Kastanien-Shampoo aus rein natürlichen, regionalen Zutaten versuchen.

 

Ich wasche meine Haare nun immer mit Roggenmehl oder Apfelessig oder No-Poo, je nachdem, wonach ich mich gerade fühle. Besonders wichtig ist, wie ich gelernt habe: Wenn man etwas ausprobiert, dann eine Sache (oder eine Kombination) konsequent über einen längeren Zeitraum, damit man auch ein aussagekräftiges Ergebnis erhält. Denn ein einziger Besuch bei einem Friseur, der normales Shampoo nutzt, kann schon alles zunichte machen ...

 

Viel Freude beim Experimentieren!